SingJorinas

Eine Chor-Inszenierung der besonderen Art war am 12.9. und 13.9.2026 im vollbesetzten Bürgerhaus Bornheim zu erleben: Im Chortheater „Bubikopf-Dämmerung“ standen Schlager und Chansons aus der Zeit der Weimarer Republik (1919-1932) im Fokus - besungen, dargestellt und erzählt von den „SingJorinas“ und ihrer Dirigentin und Arrangeurin Viola Engelbrecht, die für das Gesamtkonzept verantwortlich zeichnete. Wir sind einiges an Highlights von dieser auch als Jazzmusikerin erfolgreichen Chorleiterin gewohnt, aber dieses an zwei Abenden dargebotene Konzert kann man als ein „Meisterstück“ bezeichnen. Dafür sorgte zum einen die sorgfältige Auswahl der Schlager, Chansons und Couplets, die in der Weimarer Republik wie Pilze aus dem Boden schossen und in zahlreichen Cabarets und Bars in Berlin zur Unterhaltung einer ekstatischen und gleichzeitig verzweifelten Gesellschaft erklangen. Zum anderen wurde das Publikum durch die teils jazzig gestalteten Arrangements der musikalischen Fundstücke erfreut: Sie umfassten u. a. fünf Medleys zu den Themen Berlin, Freizeit, Bein (!), Blauer Engel und natürlich zum Bubikopf, dem Symbol der sich emanzipierenden Frau in der Weimarer Republik.

Die Umsetzung der musikalischen und szenischen Ideen durch die „SingJorinas“, dem Frauenchor des Vereins „Sound of Praunheim“ war beeindruckend: Hochmotivierte Sängerinnen - in Bauhaus-Farben gekleidet - fanden sich immer wieder zu kleinen Ensembles zusammen, die den damals populären „Schieber“ tanzten, solistisch sangen, oder zeitgenössische Texte rezitierten. Vor den Augen und Ohren der Besucher entfaltete sich ein Kaleidoskop von Choreografien, Chor- und Sologesängen welches das Faszinosum der auch als „Tanz auf dem Vulkan“ bezeichneten Zeit lebendig werden ließ. Das Publikum wurde abwechselnd überrascht von Titeln wie „Jede Gnädige, jede Ledige trägt den Bubikopf“ und „Wer hat bloß den Käse zum Bahnhof gerollt“ oder konnte Liedern lauschen, die auch 100 Jahre später immer noch gern gehört werden, wie das ikonische „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ aus dem ersten deutschen Tonfilm „Der blaue Engel“. Zusammen mit Audio-Einspielungen und einem Bühnenbild mit passenden - auf Leinwand projizierten Fotografien und Zeitdokumenten wurde das Konzert zu einer Multimedia-Show abgerundet. Am Flügel begleitet wurde die „Bubikopf-Dämmerung“ von dem bekannten Jazz-Pianisten Dirk Raufeisen, der zudem mit virtuosen solistischen Einlagen begeisterte.

Anstelle eines Happy End wurde das Konzert mit dem symbolisch wirkenden Lied „Morgen muss ich fort von hier“ beschlossen. Dies war 1935 die letzte „legale“ gemeinsame Studio-Aufnahme der „Comedian Harmonists“, bevor drei ihrer Mitglieder emigrieren mussten, was uns als Publikum an das unrühmliche Ende der Weimarer Republik erinnerte, deren unvergessliche Lieder jedoch in diesem Konzert auf wunderbare Weise zum Erklingen gebracht worden waren.

 

Text: Gundula Schmitt

Foto: Dietrich vom Berge