
Für ein paar Stunden bebt der Boden, pulsiert die Energie und mehr als dreihundert Menschen fühlen sich verbunden und so wunderbar lebendig in der TSV-Halle in Klein-Auheim. “Mixtape“ ist das Motto des Konzertabends des Concordia Chors „Ton in Ton“, und alle sind jetzt bereit für einen ganz besonderen Abend unter der Leitung des Dirigenten Stefan Weih, der mit „Higher and Higher“ schon andeutet, in welche Richtung es geht.
Der Chor hält, was er verspricht. Mehr als fünfzig Jahre Musikgeschichte wirken frisch wie am ersten Tag und von Beginn an singt das Publikum mit. Der Dirigent tanzt, springt, hopst und kann es kaum glauben: Das Publikum singt mit, ganz von alleine: „Die können richtig gut singen…“, immer wieder schüttelt er überrascht den Kopf, kanns kaum glauben, saugt die Energie des Abends förmlich auf.
Das Gospel-Medley, eine Zusammenfassung des Kirchenkonzerts vom November in Steinheim, ist solistisch betont ohne den Chor zu verlieren. Wie überhaupt der ganze Abend die Botschaft vermittelt, das Geheimnis, wenn man es so nennen will, das Geheimnis von „Ton in Ton“ und Stefan Weih ist die pure Freude an der Musik, am Singen, an der Gemeinschaft, ist generationenübergreifend, und der entscheidende Rest bleibt Magie…
Weiter geht die musikalische Reise, „You can‘t hurry Love“ von den Supremes (1966), gesungen vom jüngsten Chormitglied Davinia Martin und „September“ (1978) dem Klassiker der US-amerikanischen Band Earth, Wind & Fire, in einer eigenen Interpretation von Thomas Frühauf, Die Augen blitzen, eine Vorfreude steht in den Gesichtern des Chors, die Band stimmt an und das Publikum lässt sich gern anstecken von Rhythmus und Gesang: „No roots“ (Alice Merton, 2016) ist eine feste Größe im Repertoire von „Ton in Ton“ und alle haben so viel Spaß mit dem Lied und der ganze Saal auch und der Dirigent tigert über die Bühne als gäb‘s Kilometergeld.
Wer danach an Verschnaufen denkt, hat sich getäuscht. „Everybody“ (Backstreet Boys, 1997), gefolgt von Filmmusik, zum ersten Mal, sagt Stefan Weih und führt den Chor musikalisch mitreißend durch den Kultfilm „Dirty Dancing“ (1987). Nicht nur Patrick Swayze und Jennifer Grey, die Hauptfiguren des Films, haben eine unvergessliche Zeit, auch Stefan Weih nimmt vorweg, worum es an diesem Abend in der TSV-Halle für alle geht: „The time of my Life“, alle haben hier und jetzt für ein paar Stunden die Zeit ihres Lebens. Allerdings brauchen Chorleiter, Chor und Zuschauer erstmal eine Pause. Wie ein Rausch ist der erste Teil des Konzerts verflogen, meine Güte wo ist denn die Zeit geblieben!
Der Pulsschlag steigt, das Konzert nimmt Fahrt auf mit Falco und fernen Galaxien und der ganz eigenen Philosophie der Neuen Deutschen Welle (Achziger Jahre). Wir finden uns im Sternenhimmel wieder und haben die Welt vergessen.
Stefan Weih und Joscha Moreth, Frontmann der Hanauer Band „Dinners“, sind Freunde und so steht Joscha als Gast mit dem Chor auf der Bühne und performt zusammen mit Dominique Frühauf „Gold“, ein Liebeslied aus eigener Feder. Das Publikum ist hingerissen, feiert den Klein-Auheimer, der die Arme hebt und sich strahlend bei der Band, dem Chor und allen bedankt.
Was kann jetzt noch kommen, um das zu toppen? Am Sonntag der Oberbürgermeister in spé, Dr. Maximilian Bieri, der als Fan ganz vorne sitzt und den Chor zu dessen Überraschung bittet, bei seiner Amtseinführung im September zu singen. Er ziert sich auch nicht, mit Stefan Weih zusammen „Angel“ (Robby Williams) zu singen und das Publikum quittiert das mit donnerndem Applaus. Was für ein Abend!
Die Höhepunkte reihen sich wie Perlen an einer Kette, getragen vom Chor als Basis und Fundament, der den Solisten Sicherheit schenkt und selbstbewusst performt. Immer unterstützt von der Band „Rent a Gospel Band“, die scheinbar mühelos Akzente setzt und mal eben ein grandioses Gitarrensolo einfließen lässt. Musik hat die Kraft Menschen zusammen zu bringen, Brücken zu bauen und die Synapsen im Gehirn neu zu verdrahten – und gerade jetzt brauchen wir Brückenbauer und solche Abende, die die Fantasie anregen und die Gemeinschaft stärken.
Die Rockballade “My immortal” (Evanescence 2003) scheint nicht von dieser Welt, die Zuschauer halten den Atem an als Lucja Huml und Dominique Frühauf eine intime Stimmung kreieren, und Thomas Klein Purple Rain (Prince 1984) in einer ganz eigenen Interpretation performt.
Ist da ein Pferd? Es wiehert im Saal, alles scheint möglich bei der Concordia in Klein-Auheim! Doch es ist nur der Chor, der einen Aussteiger begleitet (Proud Mary, Creedence Clearwater Revival 1969) und uns den Rhythmus des Mississippi fühlen lässt. Die stellvertretende Chorleiterin Marina Kemmerer übernimmt den Chor, als Stefan Weih den U2 Song “I still haven‘t found what I‘m looking for (1987) mit feinem Gespür für die Zwischentöne singt und damit das Publikum langsam nach „Angel“, gesungen von Meike Lindstaed, danach Kathrin Sawatzki und Thomas Klein mit dem Song „Will you be there (Michael Jackson 1991) zum Finale geleitet.
Natürlich nicht ohne Zugaben, und dort erfährt das Publikum die Botschaft des Abends: „Let me entertain you“, (Robby Williams) „…lass dich von uns unterhalten!“. Eine klare Botschaft, die begeistert angenommen ist. Die Stimmung ist ausgelassen und eine Besucherin hat Raum und Zeit vergessen und bringt es auf den Punkt: “Das war fröhlich und wunderbar und macht Mut für den Alltag.“
Text: Renate Schwab
Foto: Uli Böttger