
Die Chorgemeinschaft S.C.H. 1842 Ginsheim ehrt ihr langjähriges Vorstandmitglied Monika Preuße für ihr Lebenswerk und ernennt sie zur Heldin im Ehrenamt.
Monika – die Frau mit der zweiten Stimme
Monika, geboren im Jahr 1943, entdeckte schon als Kind zusammen mit ihrer Schwester die Freude am Singen. Während ihre Schwester meist die Melodie sang, übernahm Monika mit sicherem Gespür stets die zweite Stimme – eine Rolle, die sie ihr Leben lang begleitete.
In ihrer Schulzeit in Gustavsburg, wo sie bis zur mittleren Reife zur Schule ging, war sie Mitglied des Schulchors. Ihre Stimme war außergewöhnlich sicher, und so sprang sie oft zwischen den verschiedenen Stimmen hin und her, um schwächere Sängerinnen zu unterstützen – sehr zum Vergnügen, aber manchmal auch zur Verwirrung ihrer Mitschülerinnen, wenn plötzlich alle durcheinandergerieten.
Später engagierte sich Monika in der evangelischen Jugend, wo sie als Betreuerin einer Mädchengruppe aktiv war. Dort lernte sie Gitarre spielen – mit kräftigen Akkorden und schnellen Schlägen begleitete sie die fröhlichen Lieder, die auf Fahrradtouren und am Lagerfeuer erklangen. Musik war immer dabei und verband die Gruppe auf besondere Weise.
Auch als junge Mutter blieb das Singen ein fester Bestandteil ihres Lebens. Über ihre Tochter lernte sie Christine kennen, eine andere Mutter mit derselben Leidenschaft. Gemeinsam sangen sie bei Kinderfesten – natürlich wieder zweistimmig, harmonisch und mit viel Freude.
1979 wurde in der Chorgemeinschaft S.C.H. 1842 Ginsheim e.V. zum bestehenden Männerchor ein Frauenchor gegründet. Monika und Christine traten gemeinsam ein und wurden schnell ein wichtiger Teil dieser neuen musikalischen Gemeinschaft. In ihren besten Zeiten zählte der Frauenchor rund 60 aktive Sängerinnen und nahm erfolgreich an Wettbewerben teil. Auch hier überzeugte Monika mit ihrer sicheren Stimme, ihrer Begeisterung und ihrem feinen Gespür für Harmonien – die zweite Stimme blieb dabei immer ihre Stärke und Leidenschaft.
Der damalige Präsident der Chorgemeinschaft erkannte Monikas großes Engagement und ihr Organisationstalent. Er schickte sie als Vertreterin der Chorgemeinschaft in den Sängerkreis Mainspitze, den übergeordneten Zusammenschluss der örtlichen Chöre. Dort übernahm sie bald Verantwortung – und war ab Ende der 1980er Jahre ganze 28 Jahre lang Vorsitzende des Sängerkreises. Mit Herz, Tatkraft und diplomatischem Geschick führte sie die Sängerinnen und Sänger der Region zusammen und prägte das Chorleben weit über Ginsheim hinaus.
Anfang der 1980er Jahre absolvierte Monika einen Vizechorleiterkurs beim Hessischen Sängerbund. Seitdem übernahm sie immer wieder das Dirigat bei Auftritten der Chöre der Chorgemeinschaft – angefangen am Weinstand im Bansen, den die Chorgemeinschaft rund um die Kerb betrieb, noch bevor es das bekannte Altrheinfest in Ginsheim gab.
Als 1992 das 150-jährige Vereinsjubiläum anstand, war Monika maßgeblich daran beteiligt, eine umfangreiche und liebevoll gestaltete Festschrift zu erstellen. Drei Jahre später, 1995, war sie treibende Kraft bei der Gründung eines neuen Chores innerhalb der Chorgemeinschaft: VocoMotion – ein modernes, innovatives Ensemble, das inzwischen sein 30-jähriges Bestehen feiern konnte. Und natürlich: Monika war von Anfang an dabei.
Um die Jahrtausendwende sprach sie eine Bekannte aus dem Schwimmbad an und lud sie ein, im MGV Mozart Trebur mitzusingen – an einem anderen Probentag als in Ginsheim. Auch dort ist Monika bis heute aktiv und bringt ihre Stimme und Leidenschaft für den Chorgesang ein.
Als Vorsitzende des Sängerkreises hatte Monika zudem eine kreative Idee, die zur beliebten Tradition wurde: Sie erfand die „Sternfahrt“ – ein jährliches Treffen aller Chöre des Sängerkreises, jeweils mit wechselnden Gastgebern. Verbunden war dieses Fest immer mit einer gemeinsamen Radtour zum austragenden Verein. Dort wurde gesungen, gefeiert und gelacht – und der Chor, der mit den meisten Sängerinnen und Sängern vertreten war, erhielt einen Preis. Eine Veranstaltung, die den Gemeinschaftsgeist stärkte und den Spaß am Singen lebendig hielt.
Seit 1999 ist Monika Mitglied im Vorstand der Chorgemeinschaft – doch auch schon lange davor unterstützte sie das Gremium mit ihren Ideen und ihrer unermüdlichen Tatkraft. Besonders am Herzen liegt ihr seit jeher die Notenverwaltung: Sie hilft den wechselnden Dirigentinnen und Dirigenten bei der Auswahl der Stücke, besorgt neue Noten, sortiert und archiviert sie sorgfältig im Chorkeller. Ihre Ordnung, ihr Überblick und ihr musikalisches Verständnis sind dabei für den Verein unverzichtbar.
Als Ginsheim eine Städtepartnerschaft mit Bouguenais in Frankreich einging, war Monika als Delegierte der Vereine beim Gründungsbesuch mit dabei – ein Zeichen ihres Engagements über die Musik hinaus, immer im Dienst der Gemeinschaft und der Verbindung zwischen Menschen.
Trotz all dieses Engagements stand Monika immer fest im Berufsleben: Sie arbeitete vollzeit in einer Bank in Frankfurt, oft mit langen Tagen und zahlreichen Überstunden. Doch selbst dann ließ sie sich vom Singen nicht abhalten – häufig kam sie direkt von der S-Bahn in die Chorprobe, ohne Pause, aber mit der gleichen Energie und Begeisterung, die sie seit Kindertagen auszeichnen.
Fast 20 Jahre lang organisierte Monika mehrtägige Reisen für den Frauenchor – stets verbunden mit einem Theaterbesuch oder einem besonderen Chorevent, wie etwa einem Chortag in Bremen. Ebenso engagiert war sie über Jahrzehnte hinweg als Bäckerin am Pizzaofen, wenn die Chorgemeinschaft beim Altrheinfest – dem viertägigen Stadtfest im Bansen – ihren beliebten Pizzastand betrieb. Monika sorgte dabei nicht nur für köstliche Backergebnisse, sondern auch für die Verpflegung der gesamten Helfermannschaft, immer mit einem Lächeln und einem offenen Ohr.
Im Frauenchor, der 2005 mit dem Männerchor zu einem gemischten Chor zusammengelegt wurde, pflegte Monika eine liebenswerte Tradition: Unter den Sängerinnen wurde „Kleingeld“ in eine Sparwutz gesammelt. Einmal im Jahr wurde die Wutz beim gemeinsamen Schlachtfest geplündert – Monika organisierte kleine Geschenke, eine Verlosung und das beliebte Schätzspiel „Wie viel Geld ist in der Wutz?“. Die Tische waren liebevoll geschmückt, es gab Leckereien, und das gemeinsame Lachen gehörte einfach dazu. Diese Tradition wurde auch im gemischten Chor noch viele Jahre fortgeführt.
Seit 2005 ist Monika im geschäftsführenden Vorstand als Stellvertreterin aktiv und hat mit ihrer Erfahrung, ihrem Überblick und ihrer ruhigen Art die neue Vereinspräsidentin tatkräftig unterstützt. Gemeinsam gründeten sie 2010 aus einem Gospelprojekt heraus den modernen Frauenchor „Chor-i-Feen“, der bis in die Corona-Zeit hinein bestand.
2022 entstand unter ihrer Mitwirkung der Nachmittagschor „TeaTime“, in dem Sängerinnen und Sänger ab 60 Jahren gemeinsam musizieren und mit viel Freude auftreten.
Langsam werden manche Dinge beschwerlicher – lange Stunden am Pizzaofen sind heute nicht mehr möglich. Doch ihre Stimme trägt noch immer klar und sicher, und so wird Monika auch in Zukunft noch viele schöne Chorproben und Auftritte erleben. Ihre Begeisterung, ihr Engagement und ihre Liebe zur Musik haben Generationen von Sängerinnen und Sängern geprägt – und die Chorgemeinschaft ohne Zweifel bereichert und mitgestaltet.
Vergangene "Helden im Ehrenamt" aus unseren Chören können Sie hier nachlesen.