Cantiamo Staufenberg

Am Anfang der Konzertidee stand der Wunsch Johannes Brahms Vier Gesänge für Frauenchor, zwei Hörner und Harfe op. 17 aufführen zu wollen. Da sich das Ensemble Reine Frauensache nun aber der klangvollen zeitgenössischen Chormusik verschrieben hat, wurde die Kombination Programm. Die korrespondierende Komposition The Silent Landscape stammt von der schwedischen Musikerin Linda Alexandersson und benutzt wie Brahms die Harfe als Begleitinstrument. Textgrundlage sind Briefe und Logbucheinträge der Mannschaft einer britischen Forschungs­reise der Challenger-Expedition (1872–1876). Sie brachte wichtige Aufschlüsse über die geologische und zoologische Beschaffenheit des Ozeanbodens. Sie war die erste globale Seeexpedition, die nur zu einem reinen Forschungszweck konzipiert worden war und gilt als Grundstein für die moderne Ozeanologie.

Gustav Jenner war der einzige Schüler von Johannes Brahms. Sein Schaffen ist leider ein wenig in Vergessenheit geraten, obwohl sie von außerordentlicher Qualität sind. Seine Drei Eichendorff-Gesänge, sowie drei Einzelwerke für Frauenchor sind hochromantische Naturimpressionen. Kontrastierend zu Jenners romantischer Harmonik tritt Veljo Tormis Sügismaastikud – Herbstlandschaften von 1964 mit seinem schrofferen bisweilen holzschnittartigen Tonfall. Mit seinen Vertonungen aus dem finnisch-estnisch-ugrischen Sprachraum trug Tormis viel zur Erhaltung der Vokalkultur in Estland besonders während der Sowjetära bei. Die Vertonung Reiselied über einen Text von Hermann Hesse des saarländischen Komponisten Alwin M. Schronen ist dem Ensemble Reine Frauensache gewidmet und steht am Anfang der Reise durch verschiedenen (Klang)Landschaften und bildet mit Meeresleuchten von Jenner den Rahmen des Konzertprogrammes. Unterbrochen wird es von dem Nocturne Nr. 2 für Horn und Harfe des französischen Romantikers Frédéric Duvernoy.

Text: Jochen Stankewitz